Die Jantje

Die Geschichte der “Jantje”

1878 – 1966

Segeltjalk Jantje erbaut 1878 in Westrhauderfehn; hier im Hafen von Leer bei Salverius

Reinder Aggen
 Erbauer der Jantje 1878

Die 2. Jantje wurde1929 in Delfzijl gebaut; hier vor dem Rathaus in Leer

 

“Jantje” gehörte zu Leer wie das Rathaus oder die “Waage”, sie gehörte zu Borkum wie der Leuchtturm. Die Augen der Alten leuchteten bei ihrem Anblick ebenso auf wie die der Jungen. So nimmt es nicht Wunder, daß ein damals 12jähriger Leeraner Junge, Herbert Barth, für die OZ 1964 ein kleines Gedicht schrieb. Es ist bezeichnend dafür, welche Verehrung auch ein kleines Schiff bei uns an der Küste genoß. (OZ 22. Oktober 1966)

Wenn “Jantje” neet wär,
se verkeerd tüschken Börkum un Leer,
immer hen un her.
Wat was, wenn Jantje neet wär?

Un kwam Jantje mal neet an
Denn wassen de Börkumer bang,
un se stunnen an´t Hafen to lungern,
wassen bang, dat se verhungern.

Un was Jantje mal in Leer,
un de Störm wur immer mehr,
Jantje seilde no de Insel over´t Meer,
mit sien War´n van Stadt Leer.

Se leet de Börkumer neet verschmachten,
ok wenn de Leerders hör utlachten.
Se mokde mit de See grote Schlachten,
un broch no Börkum seker hör Frachten.

 

1966 verläßt die “Jantje” den Leeraner Hafen als Inselversorger für immer

Am 22. Okt.1966 schreibt Kurt Wilken in der Ostfriesen-Zeitung:

( Aktualisierter Text von Udo Ensuleit)

Jantjes” Abschied von Borkum und Leer

Seit 1895 Inselversorger – Bald Muschelfänger

Vier Generationen Aggen und Meeuw auf “Jantje”

In Westrhauderfehn ließ im Jahre 1878 der Steuermann auf Großer Fahrt Reinder Aggen für seinen Sohn Hinderk ein Schiff bauen, das den Namen seiner Frau Jantje erhielt, da Hinderk Aggen noch nicht verheiratet war. Diese Segeltjalk nahm 1895 die Versorgung der Insel Borkum auf, welche die zweite “Jantje”, 1929 in Delfzijl gebaut, bis 1966 fortsetzte. Jetzt wurde “Jantje” nach Norddeich verkauft – ein Stück lebendiger Tradition geht damit zu Ende, ein vertrauter Anblick wird dem Hafen von Leer für immer fehlen. Und auch die Borkumer werden ihre “Jantje”, die in schlechten und guten Zeiten immer für sie da war, sehr vermissen. Es ist fast, als wenn ein liebgewordenes Wesen die Augen für immer geschlossen hat.

“Vor Wind” liegen hier im Emder Außenhafen einträchtig nebenein - an der “Jantje”,”Trientje”, “Antje” und “Jupiter”. Bis auf “Jantje” sind sie inzwischen alle abgewrackt.

Erst bei Nordwest Stärke 6 suchte Jantje Schutz in Emden. Kamen die Winde aus südlichen oder östlichen Richtungen, so stampfte das treue Schiff noch bei Stärken sechs bis sieben nach Borkum.

 

Tradition verkörperte nicht nur das Schiff selbst, sondern auch seine Eigner, die Generationen der Familien Aggen und Meeuw. Hinderk Aggen fuhr nur bis 1895 auf der ersten “Jantje”, dann übernahm sein Schwager Hinderk Meeuw die Tjalk und begann mit ihr die Inselversorgung von Leer aus. Dieser war vorher auf Küsten- und Großer Fahrt gefahren und hatte auf der “Bismarck” beim Ostasien-Geschwader der Kaiserlichen Marine gedient.

Sein Sohn Reinder Meeuw , der von 1912 bis 1918 auf dem Panzerkreuzer “Goeben” der Kaiserlichen Marine gedient hatte, fuhr nach Kriegsende mit seinem Vater Hinderk auf der “Jantje”. Der zweite Sohn Folkert, kaufte sich eine eigene Tjalk für die Wattfahrt. Als sein Vater 1934 starb, kehrte Folkert zur “Jantje” zurück und fuhr zusammen mit seinem Bruder Reinder bis 1945. Wenige Seemeilen vor Borkum wurde Folkert Meeuw kurz vor Kriegsende bei einem Tiefangriff englischer Flieger von einer Kugel getroffen und so schwer verletzt, dass er noch an Bord starb. Reinder Meeuw erlitt ebenfalls Verletzungen und “Jantje” erhielt über 100 Einschüsse.

Reinder Meeuw fuhr weiter von Leer nach Borkum und zurück und nahm nach Kriegsende seinen Sohn Hinderk mit an Bord, der nach dem Tode des Vaters Reinder (1962) mit Decksleuten aus Emden, Nortmoor, Veenhusen und Leer die Fahrt fortsetzte, bis er sie wegen Unwirtschaftlichkeit eines Schiffes von 55 Tons endgültig aufgab.

“Jantje” gehörte zum Stadtbild von Leer wie das Rathaus und die “Waage”.

 

Und die Geschichte der “Jantje”?

Die erste Segeltjalk, die 1925 einen 15-PS-Hilfsmotor erhielt, fuhr bis 1929. Auf der Werft Sander in Delfzijl wurde die zweite “Jantje” gebaut – diesmal aus Stahl mit einem 35-PS-Glühkopfmotor. 1962 wurde das Schiff nochmals modernisiert und erhielt einen 75-PS-Motor.

1966 sollte die “Jantje” zunächst für die Muschelfischerei von Norddeich aus umgebaut werden, wurde dann aber nach Werne an der Lippe weiterverkauft und fährt jetzt nach dem Umbau mit Touristen in holländischen Gewässern.

Hinderk Meeuw, der letzte Besitzer, hat sich nur schweren Herzens von seinem Schiff getrennt. Das Steuerrad, die Schiffsglocke, der Kompaß, ein Rettungsring, die Bundes-Flagge und der Wimpel aus dem Mast-Top haben einen Ehrenplatz im Heim von Hinderk Meeuw auf Borkum erhalten.

Der Kapitän Reinder Meeuw, der Vater des letzten Besitzers, fuhr mit seinem Sohn bis 1962 auf der “Jantje”

Hinderk Meeuw, der letzte Besitzer und Kapitän der “Jantje” verkaufte das Schiff 1966

Der letzte Kapitän der “Jantje” blieb zunächst der Seefahrt treu und besuchte nach kurzem Dienst auf einem Versorgungsschiff der Bundesmarine noch einmal die Seefahrtsschule in Leer, um danach bis 1973 auf den Fahrgastschiffen der AG-“EMS” als Steuermann zu fahren, bis er aus gesundheitlichen Gründen “an Land” ging.

Als Inselversorger war “Jantje” die Zuverlässigkeit in Person. Bei Nordwest wurde Emden erst ab Windstärke 6 als Schutzhafen angelaufen, kam der Wind aus östlichen oder südlichen Richtungen, so nahm “Jantje” es noch mit Windstärken 6 bis 7 auf und brachte ihre Ladung stets unversehrt an den Auftraggeber. Mit der Flut benötigte sie von Borkum nach Leer sechs Stunden, später, nach Einbau der stärkeren Maschine, noch viereinhalb Stunden . Von Leer nach Borkum brauchte sie achteinhalb Stunden, später sieben Stunden.

Seit 1895 bis 1966 fuhr “Jantje” Mehl, Zucker, Bier, Stückgut, Möbel und Baustoffe (Holz, Steine) nach Borkum und brachte Leergut und Möbel mit nach Leer zurück. Im Sommer herrschten die Lebensmittel vor, im Winter die Baustoffe.

Im 1. Weltkrieg wurden die Frachtfahrten vorübergehend unterbrochen, da “Jantje” zum Muschelfischen für die Versorgung der Inselbevölkerung eingesetzt wurde. Vor der Währungsreform hatte “Jantje” auf fast jeder Fahrt Passagiere aus Leer an Bord; oft waren es bis zu zehn Personen, die nach Borkum und zurück wollten.

Familie Stumpf aus Leer auf dem Achterdeck der “Jantje”

Ernst und Enno Saul, Klaus Freede, Harald Dirksen, Hajo Karwinski im Bug auf der “Jantje”.

             Der letzte Kapitän der “Jantje”, Hinderk Meeuw, verstarb im Frühjahr 2011.

 

            Seit 2012 fährt die alte Jantje unter dem Namen “Jan-Steen und ihren neuen Besitzern

            James und Lucy McGarrity, die das Schiff als Wohnschiff nutzen. Vorherige Eigentümer

            nach 1966 waren Joseph Dortman und ein Herr Scherpel.   

 

                                    Die Jan Steen 2012      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alte Jantje

Alte Jantje 2

Alte Jantje 3

Jan Steen

Jan Steen 2012

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